Gabriel Garcia Marquez – "Hundert Jahre Einsamkeit"

Es handelt sich um die fiktive Familiensaga der Familie Buendia und die Geschichte des von ihr gegründeten Dorfes Macondo in Lateinamerika. Angefangen bei Jose Arcadio Buendia und seiner Frau Ursula begleitet man die Familie durch mehrere Generationen, durch Kriege, Erfindungen, Liebesgeschichten, Skandale und schließlich bis zu ihrem endgültigen Niedergang. Macondo ist ein Ort des Zaubers, wo Realität und Traum, Tote und Lebendige, Wahrheit und Lüge sich begegnen und nebeneinander existieren können. Zwischen Märchen und Roman ist man fasziniert von der Vielschichtigkeit der Handlung, der Charaktere und den verschiedenen Erzählsträngen, die irgendwie immer wieder gemeinsame Verknüpfungen aufweisen.

Marquez schafft es, sprachlich sehr schön und inhaltlich fabelhaft und wundersam den Leser in den Bann seiner unglaublichen Geschichte zu ziehen. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der mal genügend Muße hat, in eine irreale Welt eintauchen zu wollen, der Zeit für einen (immerhin fast 500 Seiten langen) Schmöker hat und der seiner Phantasie gerne freien Lauf lässt. Es ist ein Buch, das man problemlos verschlingen kann, das einem schöne Stunden gemütlich im Bett oder wo auch immer bescheren wird.

Hier nun einige Leseproben, viel Spaß damit!

"Doch in ihrer letzten Stunde fühlte Amaranta sich nicht etwa gescheitert, sondern im Gegenteil von jeder Bitterkeit befreit, weil der Tod ihr das Vorrecht gewährt hatte, sich ihr mehrere Jahre im voraus anzukündigen. Sie hatte ihn eines glutheißen Mittags gesehen, neben ihr in der Veranda nähend, kurz nachdem Meme ins Internat abgereist war. Sie erkannte ihn unverzüglich, er hatte nichts Schreckliches an sich, denn er war eine altmodisch wirkende, blaugekleidete Frau mit langem Haar und sah fast so aus wie Pilar Ternera zu der Zeit, als sie in der Küche geholfen hatte. Fernanda war mehrmals zugegen und sah ihn nicht, obwohl er so wirklich, so menschlich war, dass er Amaranta um den Gefallen bat, ihm eine Nadel einzufädeln."

"'Was willst du', murmelte er, 'die Zeit vergeht.'

'So ist es', sagte Ursula. 'Aber nicht ganz so.'

Als sie das sagte, wurde ihr bewusst, dass sie die gleiche Antwort gab, die Oberst Aureliano Buendia ihr in seiner Todeskandidatenzelle gegeben hatte, und wieder einmal erschauerte sie angesichts des Beweises, dass die Zeit nicht vorüeberging, wie sie gerade zugegeben hatte, sondern dass sie im Kreise lief."

"Er war der einzige Überlebende einer Vergangenheit, deren Vernichtung sich nicht vollzog, weil sie sich endlos vernichtete, in sich selbst verzehrte, in jeder Minute aufhörte, doch ohne aufzuhören, jemals aufzuhören."

Marquez, Gabriel Garcia: Hundert Jahre Einsamkeit.

Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln 2002.

S. 315/6, 378, 453

Cosima Kießling

 

Diese Inhalte werden nicht mehr aktualisiert und enthalten ggf. veraltete Informationen